Tierschutz aus der Region
Tierschützerin aus Halle verbrachte eine Woche im Tierheim SARA auf Lanzarote
Am 18.01.08 war es endlich soweit, mein Abflugtag Richtung Lanzarote über Stuttgart war angebrochen. Erstes Aufatmen im Taxi, die Katzen und Hunde werden gut versorgt, die Blumen gegossen, alle Dinge im Haushalt sind erledigt - Urlaub.
Endlich die Heimat meiner Podenca Linda und meines verstorbenen Collies Taison kennen lernen. Ich habe schon viel von der Insel gehört und gelesen, Gutes und Trauriges. Ich bin gespannt?..
In Stuttgart holt mich Jutta, die Vorsitzende vom TS Lanzarote e.V. am Flughafen ab. Am 20.01. frühmorgens sind wir wieder am Flughafen, dann mit leeren Hundeboxen, die zurück ins TH müssen. Wir treffen uns mit Uschi aus München und fliegen dann gemeinsam Richtung Süden. Petra von der Tierhilfe Europa e.V. kommt mit vielen Hilfsgütern von Düsseldorf nach Lanza. Mittags erwartet uns Klaus vom Tierheim am Flughafen in Arrecive und nimmt unsere Koffer und das Übergepäck fürs TH in Empfang, Jutta holt noch schnell unser Mietauto und dann geht es fürs erste in unser Ferienhaus.
Erste Erkundungen vor Ort, kurzer Einkauf fürs Abendessen unser schönes Ferienhaus bewundern und Fotos, Fotos, Fotos?. Am Ende des Urlaubs wird Jutta sagen, wir hätten die Insel nur durch die Kameraoptik gesehen. Wir vier Weiber passen gut zusammen, unser Hauptanliegen ist und bleibt Tierschutz und danach ist Urlaub. Am nächsten Morgen gemeinsames Frühstück mit Lagebesprechung und dann ab ins Tierheim.
Mich beeindruckte die Herzlichkeit mit der wir von den Mitarbeitern begrüßt wurden. Erste Besichtigung des THs, besonders auffällig ist die Sauberkeit der Anlagen, egal ob Zwinger oder Ausläufe. Ich weiß aus Erfahrung, wie viel Arbeit dahinter steckt um so einen Zustand aufrecht zu erhalten. Und was mir noch sehr angenehm auffiel, war die Liebe und Herzlichkeit mit de die Tiere behandelt werden. Für die Hunde ist es mit Sicherheit sehr stressig zu Viert in einem Zwinger zu leben. Da muß schon sehr genau darauf geachtet werden, wer mit wem zusammen passt. Ich glaube, das gelingt den Pflegern recht gut.
Für viele Hunde ist das TH vermutlich das erste richtige Zuhause, indem sie sicher sind und gut versorgt werden. Besonders auffällig wurde das am Verhalten der Hunde außerhalb des THs. Die meisten Hunde gingen nur soweit mit uns spazieren wie sie die TH-Geräusche noch hören konnten. Auf dem Rückweg zum TH sind sie fast nicht mehr zu halten gewesen, die Hunde wollten nur noch schnell zurück. Dann das Katzenhaus, einfach nur schön, hell und sauber mit großer Außenanlage für die Samtpfötchen.
Und dann?? da lag ER. Rubio, der schöne Rote, der Sanfte. Mein erster lauter Gedanke: Der geht mit nach Halle. Leuchtende Augen bei Claire der Katzenmutti und: Da ist noch ein Brüderchen von ihm. Natürlich, das Brüderchen geht auch mit. Sie sind auf den Vermittlungsseiten vorgestellt.
Unsere Hauptbeschäftigung im TH war Gassigehen mit möglichst vielen Hunden. Manchmal hatte ich das Gefühl, mir fallen gleich die Füße ab. Während Uschi, Petra und ich Plattfüße bekamen, hat Jutta Verwaltungskram erledigt, Fotos geschossen und die Beschreibungen für die Vermittlungsseiten gemacht , den ganzen Papierkrieg halt. Sehr schnell traten bei uns Mädels besondere Vorlieben, was Hunde betrifft, zu Tage. Uschi liebt die großen, schweren und kräftigen Riesen. Petra die kleinen, knuffigen und die Mittelgroßen und ich blieb immer wieder bei den Podencos und ihren zierlichen Mixen hängen.
Die Podis - diese faszinierenden ,schnellen ,eleganten Jäger. Diese Hunde mit dem unglaublichen Gesichtsausdruck, dem Blick, der einen nie wieder loslässt. Sie haben noch Instinkte, die bei vielen anderen Rassen verkümmert sind. Ich liebe diese sanften, kuschelweichen, katzenähnlichen Hunde.
Das Leben der Podencos auf den Inseln ist sehr problematisch, einerseits sind sie die Helfer der Menschen bei der Jagd, andererseits wird viel Schindluder mit ihnen getrieben. Wir haben sie in ihrer natürlich, alltäglichen Umgebung gesucht und gefunden. Es gab gute, akzeptable Haltungen und es gab das absolute Grauen. Podis in sengender Hitze, ohne Wasser, an viel zu kurzer Kette, mit offenen verdreckten Wunden in einem Grundstück voller Dreck und Müll.
Und wir haben noch schlimmere, unfassbare Dinge gefunden. Wir Tierschützer sind schon sehr viele Sachen gewohnt, aber das war selbst für uns zu viel. ?Podifriedhof? in den Lavafeldern zwischen Müll und Dreck. An den Skeletten waren noch Halsbänder dran und die Stricke mit denen sie am Weglaufen gehindert wurden. Es waren viele Skelette. Einfach so wie Müll entsorgt. Die meisten Jäger hatten für ihre ausgemusterten Hunde nicht mal mehr eine Kugel übrig. Ich finde das Erschießen auch nicht richtig, aber es ist ein schneller Tod und nicht das qualvoll lange Verenden.
Der Anblick der toten Hunde macht unendlich traurig, man fühlt sich so ohnmächtig und vor allem ungeheuer wütend.
Es gibt inzwischen aber auch Tierhalter, die soviel Charakter haben und ihre Tiere im TH abgeben, die Gründe dafür sind so vielfältig wie in Deutschland, nicht immer sind sie verständlich. Aber besser so, als irgendwo entsorgt. Und es sind auch Urlauber, die ein herumirrendes Tier auflesen und im TH abgeben. So z.B. die junge Familie, die eine kleine Mixhündin gefunden hat. Die jungen Leute sind jeden Tag ins TH gekommen um mit ? ihrem? Hund spazieren zu gehen. Wenn sich nach der vorgeschriebenen Wartefrist von 21 Tagen kein Besitzer gemeldet hat, darf die kleine Hündin zu ihrer Familie ausfliegen. Hoffen wir nur, dass sie nicht zu lange auf einen Flugpaten warten muss.
Unser Tagesablauf war eine gelungene Mischung aus Tierschutzarbeit und Urlaub. Nachmittags sind wir nach einer kurzen Verschnaufpause zur Inselerkundung aufgebrochen. Wir haben unendlich viele Eindrücke von einer phantastischen, grandiosen Landschaft und freundlichen Menschen bekommen. Wir haben uns mit Papas Arrugadas (Kanarische Kartoffeln) und Mojosoße (landestypischer Dip) voll gestopft. Ich glaube, wir haben manchmal wie laufende Knoblauchzehen gestunken. Abends haben wir dann Berichte geschrieben, Fotos auf den Laptop gezogen und bearbeitet oder einfach nur relaxt.
Und plötzlich war der letzte Tag angebrochen, was schon? Abschied von liebgewordenen Menschen und Tieren. Der letzte Besuch im Katzenhaus bei "meinen" roten Katerchen. Dem Rubio ins Öhrchen geflüstert: Ich warte am Flughafen auf euch. Abschied von Podi Nieves, von Ninamäuschen der anschmiegsamen Podimix und von unser aller Liebling dem dicken Podi Tamboco, von Traqui und Rubino.
Gemeinsam mit uns haben 4 Hunde und die beiden Katerchen die Insel verlassen. Die beiden Podis wurden schon sehnsüchtig erwartet, die beiden kleinen Hunde sind bis zur Vermittlung in einer privaten Pflegestelle und die beiden Katerchen wurden von den Flugpaten Fam. Kroll mitgenommen und sind jetzt bei mir bis zur Vermittlung in Pflege.
Ganz zum Schluss möchte ich noch über ein ganz persönliches Anliegen sprechen. Auf unserem Tierfriedhof liegt jetzt ein Stück Lavagestein, es stammt von der würdelosen Grabstelle der Podencos. Es steht als Symbol für meine Achtung vor den gequälten, geschundenen Podis und als Mahnung, niemals mit dem Tierschutz aufzuhören. Für die Toten sind wir zu spät gekommen, den Lebenden werden wir helfen.
Elfriede Schlicht
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