Tierschutz aus der Region
Tierarztkosten steigen um 22%- Tierschutzvereine und Tierhalter in Not
Wer die Tierschutzvereine unserer Region unterstützen möchte, findet Kontaktmöglichkeiten in der Rubrik Vereine vorgestellt.
MZ-Artikel vom 16. August 2008 von Michael Deutsch
Tierschutzvereinen droht das Aus
Neue Gebührenordnung verteuert Behandlung - Hohe Schulden bei Ärzten - Hoffnung auf Spenden
Der Vorstand ist für Montag zur Krisensitzung geladen. "Wir befinden uns im Notstand. Wenn nichts passiert, müssen wir Konkurs anmelden", kündigt Frieder Bernhardt, Chef des Kleintierschutzvereins Rosengarten, an.
Die Tierschützer können die Tierarztrechnungen nicht mehr bezahlen. In der vom Verein beauftragten Tierarztpraxis beliefen sich die Außenstände mittlerweile auf 4 000 Euro. Beim einem anderen Vertrags-Arzt, der für den Verein Straßenkatzen kastriert, stehe man mit 1 600 Euro in der Kreide. Die Konsequenz: "Die Tierärzte behandeln unsere Tiere nicht mehr", sagt Bernhardt, dessen Verein sich wie alle Tierschutzvereine durch Spenden finanzieren muss.
Als Hauptgrund für die Notlage macht Bernhardt die neue Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) verantwortlich. "Mit Wirkung vom 8. Juni sind Tierarztleistungen um zwölf Prozent gestiegen", bestätigt Björn Dittrich, Geschäftsführer der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt.
Zusätzlich wurde der Abschlag Ost abgeschafft, wonach Tierärzte bislang auf freiwilliger Basis Behandlungskosten um zehn Prozent senken durften. "Im ungünstigsten Fall müssen Tierbesitzer hierzulande 22 Prozent mehr zahlen", räumt Dittrich ein und verweist auf die bisherige Gebührenordnung von 1999, die von der Kosten her gesehen, unrealistisch sei. "Die Anpassung war notwendig".
Auch der Tierschutz Halle im Birkhahnweg schlägt Alarm. "Die Spendenfreudigkeit ist rückläufig, die Tierarztkosten explodieren", klagt Geschäftsführerin Marlis Koser ihr Leid. "Ein Konkurs ist nicht mehr ausgeschlossen." Besorgt zeigt sich auch Christine Kaiser, Vorsitzende vom Katzenschutzverein Halle. Weil derzeit eine Spendenaktion zum Umzug des Katzenhauses laufe, sei der Verein momentan finanziell besser gestellt. Koser rechnet indes vor: "Die Kastration einer Katze habe sich von 40 auf 60 Euro verteuert. Wir können dafür aber nicht unsere Spenden erhöhen." Derzeit gebe man an Tierfreunde eine kleine Katze für 30, eine kastrierte für 60 Euro ab, was nicht kostendeckend sei. Doch die Vermittlungsgebühr noch weiter anzuheben, macht keinen Sinn. "Dann nimmt uns keiner mehr unsere Katzen ab", sagt Bernhardt.
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