Tierschutz aus der Region
Neues Zuhause für Schleiereulen
Vorsichtig öffnet Gerfried Klammer die Tür der ehemaligen Trafostation in Brachstedt. Sie war 1997 die erste, die im Saalkreis zum Eulenturm umgebaut wurde. Jetzt zeigt sich der Erfolg. 2005 gab es hier zum ersten Mal Nachwuchs bei den Schleiereulen. Ihr Nest, ein Holzkasten mit einer Öffnung, wird von dem Ornithologen und ehrenamtlichen Naturschutzhelfer zwei- bis dreimal im Jahr überprüft. Der Landsberger steigt zwei Leitern empor. Schon lassen sich zwei schneeweiße Jungtiere blicken, machen sich aber rasch aus dem Staub. Nur das dritte Junge kuschelt sich in eine Ecke. Es kann noch nicht fliegen.
"Alles in Ordnung", meint Gerfried Klammer, der alle drei Tiere bereits beringt hat, und steigt wieder hinab. 2005 war ein gutes Jahr für die Schleiereulen, berichtet er. Die lauthals beklagte Mäuseplage - die Lieblingsspeise der Vögel - führte sogar zu zwei Bruten statt nur zu einer. Insgesamt 95 Jungtiere wurden im Kreis gezählt. Ein Rekordwert. "In einem Nest fand ich 13 Eier. Das habe ich noch nie erlebt", ist der Naturschutzhelfer begeistert. Immerhin geht er schon mehr als 35 Jahre diesem Hobby nach.
Der Unternehmer im Groß- und Einzelhandel ist stolz darauf, dass es in der Region inzwischen 30 Eulentürme wie die jüngst in Friedrichsschwerz und Benkendorf fertig gestellten gibt. Er lobt die gute Zusammenarbeit mit den Gemeinden, Bürgermeistern, beteiligten Ingenieurbüros und der Naturschutzbehörde. Weitere Türme sollen laut seiner Auskunft folgen, zum Beispiel 2006 in Brachwitz an der Fähre.
"Früher lebten die Tiere in Kirchtürmen oder Speichern. Heute werden die Kirchen saniert und die Speicher abgerissen. Da ist dringend Ersatz nötig", erklärt Gerfried Klammer. Doch die Eulentürme hätten noch viele andere Bewohner. So gebe es in Ostrau zum Beispiel Fledermäuse und in vier anderen Türmen Waldkäuze. Schwalben und Mauersegler würden die angebrachten Nisthilfen nutzen. Und im Brachstedter Ortsteil Hohen hätten es sich auch Igel und Hermeline bequem gemacht.
(Quelle: Text und Bild: Mitteldeutsche Zeitung vom 28.10.05)
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