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Tierschutz aus der Region

10.01.2006

Letzte Ruhe auch für Fische

Im Sommer macht sich Lotte Büschel jeden zweiten Tag auf den Weg aus der Südstadt, um am Goldberg in Halles Norden Peggy zu besuchen. Jetzt kommt die rüstige Rentnerin allerdings nur einmal die Woche, um das Grab ihres Foxterriers zu pflegen. ?Ich würde auch meinen jetzigen Hund wieder hier begraben", sagt die Tierfreundin. ?Die Kosten habe ich nicht gescheut, das war mir mein Hund wert", ergänzt sie.

Tierfriedhof Goldberg Tierfriedhof Goldberg

Wie Lotte Büschel haben rund 150 andere Hallenser ihre Hunde, Katzen, Meerschweinchen oder Kaninchen auf dem einzigen Tierfriedhof in Halle bestattet. ?Ein kleines Mädchen kam sogar mit einem Fisch", weiß Bernd Nastainczyk, in dessen Aufgabenbereich der Tierfriedhof fällt. Er ist Leiter der Sozialen Werkstatt am Goldberg des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV). Der Friedhof, innerhalb der großzügigen Anlage auf einem alten Gutshof zwischen B 100 und Froher Zukunft, wurde 1998 angelegt und ist mittlerweile fast voll belegt. Jetzt werden erstmals wieder Gräber frei, deren Laufzeit zu Ende ist. Ob damit der Bedarf gedeckt werden kann, weiß man beim DPWV noch nicht. ?Bislang mussten wir noch niemanden wegschicken", so Nastainczyk.

Rund 30 Tiere wurden in den Vorjahren im Schnitt pro Jahr begraben, bei ebenso vielen Gräbern läuft die Liegezeit ab. An eine Erweiterung der Anlage denkt im Moment niemand. Sollte der Friedhof ausgelastet sein, müssen Tierfreunde ans Veterinäramt verwiesen werden, das Adressen von kommerziellen Tierfriedhöfen im Umland weitergibt.

Ob Brixi, Daisy, Bobby oder Goliath - nach ihrem Tod trauern oft nicht nur Herrchen und Frauchen. ?Bei Beerdigungen sind hier häufig ganze Hausgemeinschaften", sagt Nastainczyk. ?Nach 15 gemeinsamen Jahren mit einem Tier ist das den Menschen wichtig", so der Werkstatt-Leiter.

Zwischen 87 und 108 Büro -je nach Größe - kostet das Reihengrab für eine Pachtzeit von drei Jahren. Eine Verlängerung um jeweils zwei Jahre ist möglich. Unterhalten wird der Friedhof ausschließlich durch gemeinnützige Arbeit, also von Jugendlichen und Erwachsenen, die von Gerichten zur Ableistung von Sozialstunden verurteilt wurden. Die Vorgabe ist klar: ?Der Tierfriedhof muss sauber und ordentlich sein", so Nastainczyk.

Der Rest des Objekts Goldberg, wie der DPWV das vielfältige Gelände mit Tieren, Spielplätzen und Bauerngärten nennt, wird im Gegensatz dazu von mehr als 100 Jugendlichen in verschiedenen Projekten in Schuss gehalten. Alle Einnahmen aus der Verpachtung der Grabstellen kommen denn Tieren des Objektes vom Wellensittich bis zum Pony zu Gute.

Wer sein Tier auf dem Tier begraben möchte, hat auch die Möglichkeit, sich einen Sarg und eine Gedenktafel anfertigen zu lassen. Große Gedenksteine und Kreuze sind laut Nutzungsordung jedoch tabu. Wichtigste Voraussetzung überhaupt ist, dass das Tier gesund war. ?In den Friedhofsunterlagen wird der Name des handelnden Tierarztes aufgeführt. Tiere mit ansteckenden Krankheiten oder Seuchen dürfen nicht beerdigt, sondern müssen verbrannt werden", so Bernd Nastainczyk.

Wo heute Tiere beerdigt werden, soll übrigens im 17. Jahrhundert schon einmal ein Friedhof gewesen sein: ?Der Name-Goldberg kommt daher, dass damals Grabräuber Grabschätze aus der Erde geholt haben", hat Nastainczyk in Archiven erfahren.

(Quelle: Mitteldeutsche Zeitung vom 7. Januar 2006)

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