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Tierschutz aus aller Welt

16.09.2008

Tieren helfen in Mali Lo?inj, Kroatien

Von Erdmute Hufenreuter

Veronika Vido?, ein ?Engel? für die herrenlosen Katzen und Hunde

?Seit ich vor 20 Jahren mit Katzenfüttern angefangen habe, ist mein Leben eine einzige Katastrophe?, sagt die pensionierte Berufsschullehrerin Professor Veronika Vido?, die täglich mehr als 220 Katzen und etliche Hunde, auch Ziegen und Schafe auf der kroatischen Insel Lo?inj an zahlreichen Futterstellen versorgt. Auf der Mülldeponie in Mali Lo?inj, der Inselhauptstadt, ist es am schlimmsten, der Dreck, der Staub, der Gestank, der Krach der Mülllaster. Sie fährt auch zum Campingplatz am Cikat, zum noblen Hotel ?Aurora?, in die Urlauber-siedlung Artatore, ins Dörfchen Cunski, an andere Stellen, wo Füttern erlaubt ist. Ihr Tag beginnt um 5 Uhr, da kocht sie 4 Kilo Spaghetti, die sie mit preiswertem Dosenfutter mischt und in verschieden große Eimer verteilt, je nach Zahl der Katzen an der jeweiligen Futterstelle. Für die Hunde hat sie manchmal fast fleischlose Knochen, die sie aus einer Hotelküche bekommt.

Halb 9 fährt sie los, nicht selten, wenn Tierarztbesuche oder Fangaktionen stattfinden, endet ihr Tag erst gegen 20 Uhr. Aber dann sind noch die eigenen acht Hunde und die 28 Katzen, die sie im Laufe der Jahre aufgenommen hat, auf ihrem Grundstück zu versorgen. Die Katzenbabys, mit denen sie ihr Bett teilt, um sie zahm zu bekommen, zählt sie schon gar nicht mit. Obwohl sie vor ihrem Anwesen alles sauber hält, sind die Nachbarn wenig begeistert vom Hundegebell und den vielen Miezen, die vor ihrer Toreinfahrt liegen, weil sie sich nicht mit den Hunden vertragen. Anwohner haben schon einige ihrer Katzen vergiftet. ?Kastrierte?, sagt Frau Vido? bitter. Und man bekommt eine Ahnung davon, was ein kastriertes Tier, vor allem eine Katze, die sich nicht weiter vermehren kann, der Tierschützerin wert ist. Beinahe jeden Tag findet sie ausgesetzte Babymiezen, nicht selten an den Futterstellen, auf der Mülldeponie und in Abfallcontainern. Manche werden im Schutz der Dunkelheit auf ihr Grundstück geworfen.

Seit zwei Jahrzehnten räufelt sich Veronika Vido? auf, weil es ihr das Herz bricht, wenn sie sieht, wie die Tiere hungern und leiden. Sie hat sich ihre Gesundheit ruiniert, denn es ist Schwerstarbeit, die sie jeden Tag, auf sich allein gestellt, leistet. Sie lebt in Armut, weil sie das Letzte für die armen Kreaturen gibt. Ihre Lehrerinnenpension setzt sie zur Hälfte in Benzinkosten um, die andere Hälfte fast vollständig in Tierfutter. Wenn es eine dritte Hälfte gäbe, könnte sie annähernd normal leben. Aber es gibt sie nicht. So fragt sie sich oft, ob sie noch ein Brot kaufen soll für sich oder doch lieber eine Dose Katzenfutter. Sie bekommt ein schlechtes Gewissen, wenn sie für sich Geld ausgeben muss, weil alle Katzen ständig hungrig sind.

Hilfe bekommt sie vom Verein ?Stimme der Tiere? (www.stimmedertiere.de) aus Nürnberg, der Tierhilfe für südliche Länder, die die Kastrations-, teilweise auch die Tierarztkosten übernimmt und ? wenn es Interessenten oder Pflegestellen gibt ? Hunde und Kat-zen zur Vermittlung nach Deutschland holt. Aber auch das wird schwerer, denn das Spenden-aufkommen ist rückläufig und herrenlose Tiere gibt es auch im reicheren Deutschland mehr als genug. Helfer vor Ort hat Frau Vido? kaum, die Kroaten mögen zwar im Prinzip ihre Tiere, aber die leben meist so nebenher, oft draußen, kastriert werden sie kaum und wenn eins bald stirbt, taucht auch gleich wieder ein neues auf. Natürlich sind nicht alle so. Es gibt dort Tierhasser und Tierfreunde wie überall auf der Welt, aber wie Veronika Vido? ist wohl niemand.

Von den Tausenden Urlaubern, die jährlich in Mali Lo?inj, der ?Perle der Adria?, Urlaub machen, bringen auch viele ihre Hunde mit oder haben selbst Katzen zu Hause. Doch kaum je-mand denkt im Ferienparadies auch an die herrenlosen Tiere dort und spendet Futter oder ein paar Euro. So ist die Siebenundsechzigjährige im Wesentlichen auf sich allein gestellt. Ein freies Wochenende, Urlaub und dringend nötige Krankenhausaufenthalte sind nicht möglich, weil sie niemanden hat, der länger als einen Tag ihre Aufgaben übernimmt. So leidet sie lieber selbst an ihren Herzbeschwerden und Knochenproblemen, als dass sie Katzen und Hunde sterben lässt. Was aus den Tieren wird, wenn sie demnächst wirklich nicht mehr kann, bereitet ihr schlaflose Nächte. Wer Frau Vido? kennenlernt, trifft auf einen von den Menschen, die sich, weil sie Elend nicht ertragen können, in selbstauferlegte Zwänge gestellt haben, aus de-nen sie nicht mehr herauskommen. Man könnte, in einer Zeit, in der oft jeder sich selbst der Nächste ist, meinen, sie sei verrückt, weil sie all die Entbehrungen und auch starke Schmerzen auf sich nimmt. Doch sie ist in keiner Weise mit denen zu vergleichen, die, ohne an die Folgen für das einzelne Tier zu denken, Katzen und Hunde aus falsch verstandenem Mitleid ?sammeln? und sie dann in notwendig immer katastrophaler werdenden Verhältnissen ver-kommen lassen.

Veronika Vido? braucht dringend Hilfe, auch wenn sie mit den Achseln zuckt und nicht recht weiß, wie das gehen soll. Wer sie direkt und praktisch unterstützen will, kann ein paar Stunden am Tag mit Füttern fahren und beim Einfangen der Katzen helfen, damit sie kastriert werden können. Über ?Stimme der Tiere? kann ihr jeder spenden und wer auf die Insel fährt, direkt bei ihr Futter abgeben und für sich oder zum Vermitteln auch Tiere mit nach Deutschland nehmen. Und ? aber das wird wohl ein Traum bleiben ? man könnte die Kosten für einen Helfer übernehmen, der stundenweise bezahlt wird, denn die Kraft der Tierschützerin wird vermutlich nicht mehr lange reichen, ihre Gesundheitsprognose ist mehr als schlecht.

So oder so, bis dahin heißt es für Veronika Vido? weitermachen, dafür zu sorgen, dass das Tierelend nicht noch größer wird, da sein für die Mitgeschöpfe. Bis zum Schluss.



SPENDENKONTO:
Stimme der Tiere e.V.
Konto: 5732326
BLZ: 76050101
Sparkasse Nürnberg
Stichwort: ?Mali Lo?inj ?
Kontakt: info@stimmedertiere.de
J. Jantke, Tel. 0911/806331
oder: erdmutehufenreuter@web.de
E. Hufenreuter, Tel. 034604/22822

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